302Weil das Maß verlorengeht und rechte wie linke Wirrköpfe das Sagen haben, hat ein 22-Jähriger am Wochenende zu einem antiquierten Mittel gegriffen: dem Leserbrief. Hat Position bezogen gegen populistische Hetze, gegen Schubladen von rechts und links, gegen schlichte Motivationssätze, die aus dem amerikanischen Wahlkampf übersetzt wurden. Hat deutlich gemacht, dass für die junge Generation auch einiges auf dem Spiel steht: eine freiheitlich denkende Gesellschaft, die auf gemeinsame Grundwerte setzt. Und sich damit an eine Tageszeitung seiner Stadt gewandt, um eben auch andere Leute als die eigenen Freunde zu erreichen. Danke dir Marco Costard für deine Worte! Mich hast du damit auf jeden Fall erreicht!

Mich hat der Leserbrief insbesondere berührt, weil ich just an diesem Wochenende Freiheit, Freizügigkeit und 301Internationalität erleben durfte: Beim Snow Bike Festival in Gstaad in der Schweiz sind Männer und Frauen aus 13 Nationen und vier Kontinenten gegeneinander angetreten, im sportlichen Wettkampf um die beste Leistung im Fatbiken. Zugegeben, das braucht niemand und das hilft auch nicht gegen Krieg, Terror oder Verfolgung. Aber das ist Sport, bringt Spaß und ermöglicht Verständigung.  Ich wünsche mir ein Europa, in dem solche Begegnungen weiterhin möglich sind. Und mit vielen Costauds wie Costard bin ich mir sicher, dass wir es schaffen!

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Kommunikation. Am: 24 Januar, 2016 | Artikel kommentieren »

Wer viele Freunde sucht, muss nur ordentlich patzen. Das ist die Lehre, die Tanja Fuß aus ihrem Auftritt bei Günther Jauch vor gut einem halben Jahr zieht. Weil die Modedesign-Studentin an der 50-Euro-Frage scheiterte, flog sie aus der Sendung. Bereits eine Stunde nach der Ausstrahlung hatte sie 500 Freundschaftsanfragen bei Facebook und ziemlich viele Kommentare. In dem Stil von: „Zu blond, um zu studieren.“ Die Studentin hat dann erst mal ihren Facebook-Namen geändert.index

„Ich finde es absurd, dass man sich selbst ausschalten muss, damit so was aufhört“, sagt Tanja Fuß in einem Stern-Interview.

Ich finde das mutig. Dass sie sich den Fragen der Journalisten mit Namen und Foto stellt und alles noch einmal durchlebt. Und nun auch Gelegenheitsleser davon erfahren, die, wie ich, zwischen zwei Saunagängen im Fitnesstempel in einem alten Stern blättern. Mein Gott, das könnte mir auch passieren: Man sitzt im Scheinwerferlicht, es geht um viel Geld, der Moderator setzt sein Pokerface auf und 5 Millionen Menschen schauen zu. Wer wäre da wohl nicht aufgeregt? Es könnte jeden von uns treffen und gerade deshalb setzen wir uns gern davon ab.

Nun geht es hier um nichts anderes als ein Quiz, aber steht doch für den Umgang mit Menschen, die alles auf eine Karte setzen und Risiken tragen. Und für ein Land, das bei der Gründerquote auf Platz 27 liegt – von 29 innovationsbasierten Ländern. Das meint jedenfalls Christian Lindner, der mit seiner Wutrede im nordrhein-westfälischen Landtag vor einem Jahr Furore machte. Stimmt es, dass in den USA ein Manager bei Fehlern ohne Gesichtsverlust wieder in seine vorherige Stellung zurückkehren kann? Während es in Deutschland üblich ist, dass jeder so lang befördert wird, bis er an der Stelle seiner Inkompetenz angekommen ist, wie ein FAZ-Leser schreibt?

Letzteres ist natürlich pure Polemik. Dass auch in den USA Scheitern ziemlich scheiße und nicht schön ist, belegt schon ein Zitat von Harry S. Truman „Wenn man erfolgreich ist, dann überschlagen sich die Freunde, aber erst wenn man einen Misserfolg hat, dann freuen sie sich wirklich.“ Neid und Missgunst gibt es also auch in den USA, aber auf jeden Fall auch mehr Wagniskapital für die Zuckerbergs von morgen.

Wie können wir mehr Eigenverantwortung fördern? Ich habe da mal drei kleine Vorschläge:
• Verbannt die Trostpreise von den Kindergeburtstagen!
• Befördert Lehrer, die nicht schönschreiben, sondern querdenken!
• Setzt vor eure Kommentarfunktion eine Sicherheitsabfrage: Soll die Nachricht jetzt wirklich verschickt werden? Wem hilft sie weiter?

Wir Medienvertreter sollten uns aber auch fragen, ob die Jagd auf schlechte Nachrichten und Niederlagen mehr als nur Klickraten fördert. In derselben Ausgabe des Sterns, in der auch Tanja Fuss zu Wort kommt, findet sich auch ein Rückblick auf die Verlierer des Jahres 2015 und saloppen, verletzenden Sprüchen. Angeführt wird er von Ann Sophie, die beim ESC keinen Punkt kassierte. Für mich ist die Sängerin gerade deshalb Heldin, ihr Lied okay, auf jeden Fall weit besser als andere in Wien. Und als sie nach dieser Niederlage immer noch mit rauchiger Stimme in die Mikrofone sagen konnte, „Es hat Spaß gemacht“, habe ich gedacht „Chapeau!“

geschrieben von Deike, unter Gründer, Journalismus. Am: 14 Januar, 2016 | Artikel kommentieren »

Heene, MbHMit ihrer Parole „Wir schaffen das“ hat Angela Merkel auf jeden Fall schon mal Geschichte geschrieben. Drei kleine Worte, die unzählige Artikel, Talkshows, Kommentare und sogar schon einen Buchtitel inspiriert, bisweilen erregt und gespalten haben. Und nun auch noch eine Weihnachtsgrußkarte. Verschickt von der Kommunikationsagentur „Mann beisst Hund“, illustriert von der Karikaturistin Almuth Heene und gerade bei mir auf dem Schreibtisch gelandet.

Coole Sache, finde ich, wenn man mit einer Grußkarte gleichzeitig zum Schmunzeln, Innehalten und Nachdenken anregen kann. Schließlich wird ein Herz,  und sei es auch weit wie ein „Scheunentor“, nicht genügen, um die Situation zu meistern. Aber für die Agenturleiter überwiegt das Positive, Hoffnung und Motivation. Daher beenden sie die Botschaft mit drei kleinen Worten: „Wir sind begeistert.“ Ich gerade auch!

geschrieben von Deike, unter Kommunikation, Sprache. Am: 18 Dezember, 2015 | Artikel kommentieren »

Wie gut, dass wir Experten haben. Dann kriegen wir jedes Jahr auch ein neues Wort des Jahres: „Flüchtlinge“ heißt es in 2015. Die Wahl ist erst wenige Stunden alt, da zerreißen sich die Kommentatoren schon die Köpfe darüber. den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Sprache. Am: 11 Dezember, 2015 | Artikel kommentieren »

23  Nov
Aus die Mail

Neulich hatte ich wieder einen Rückfall. Dabei habe ich mir längst geschworen, nicht mehr mitzuspielen beim Pingpong, also den Mails mit mittelgroßem Verteiler, über den etwa ein gemeinsamer Termin imagesgefunden werden soll und jeder noch mal seinen Senf dazu gibt. Von dämlichen Rückfragen („wann und wo jetzt genau?“ – obwohl das längst geschrieben steht, nur eben 480 Zeichen weiter unten) bis zu überflüssigen Kommentaren („bin dabei, freu mich“). Und natürlich immer alles an alle. Als wären  Tools wie doodle.com noch nicht erfunden. den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Journalismus, Kommunikation. Am: 23 November, 2015 | Artikel kommentieren »

01  Nov
Geisterstunde

IMG_2057KleinGestern haben die Geister an unserer Tür geklingelt. Mit Zuckerware ließen sie sich besänftigen und zogen von dannen. Heute ist Allerheiligen und meine polnische Freundin feiert mit Kuchen und Wein auf dem Friedhof. Morgen ist Montag  – und auch wenn uns das auf den Geist geht, das Phänomen der Angst und die Gefühle der Überforderung sollten wir ernst nehmen.
Mein Sohn hat mal überlegt, sein Studium in Dresden fortzusetzen. Heute will er das nIMG_2042kleiniIMG_2062kleincht mehr.

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Journalismus. Am: 1 November, 2015 | Artikel kommentieren »

Handwerk hat goldenen Boden, sagt das Sprichwort und wenn man sich die Ausbildungsstatistik anschaut, ist da bestimmt etwas dran: 146 000 Ausbildungsplätze 2014 bundesweit unbesetzt, sinkende Ausbildungsquoten, dramatische Engpässe bis 2030. Vermutlich müssen wir dann den roten Teppich rollen, in Vorleistung gehen und fließend Polnisch sprechen, wenn wir neue Fenster, Leitungen oder den Tapetenwechsel benötigen. den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Kommunikation, Marketing. Am: 23 Oktober, 2015 | Artikel kommentieren »

20151007_125142 10.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in etwa 2.000 Unternehmen, meldet die Handelskammer für den Medienstandort Hamburg. Aber wo sind diese Medienmenschen auf der World Publishing Expo, der „weltweit bedeutenden Fachmesse für Zeitungen und Nachrichtenmedien“, wie Hamburg News titelt? den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Gründer, Journalismus, Marketing. Am: 7 Oktober, 2015 | Artikel kommentieren »

Selbstbewusstsein ist ja bekanntlich eine Zier. Aber manche übertreiben es einfach. „Die besten Manager Deutschlands“, „die erfolgreichsten Macher“, „der Marktführer“. Solche Titel lese ich in letzter Zeit häufiger. Nicht nur in Werbeanzeigen, auf Buchdeckeln oder in Ankündigungen. Sondern auch in Pressemitteilungen. den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Journalismus, Pressearbeit. Am: 14 September, 2015 | Artikel kommentieren »

Telefonnummer? Fehlanzeige! Was bei Journalisten gang und gäbe – und vermutlich unvermeidlich ist, sie würden sonst kaum noch zum Schreiben kommen – ist bei den Kollegen auf der Gegenseite zumindest ungewöhnlich. Dennoch ist es ein Symbol für eine Unsitte, die um sich greift, wie der Zeitungsjournalist Andreas Olbertz moniert: „Anfragen an Pressestellen sind schriftlich einzureichen und werden auch nur noch schriftlich beantwortet.“ den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Journalismus, Pressearbeit. Am: 21 August, 2015 | Artikel kommentieren »

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