Schön gemacht hatten sie sich ja schon, da konnten sie ruhig auch schön posieren. Die SchülerInnen des Gymnasiums Oberalster (GOA) fühlten sich geehrt, als ein Team von “Spiegel Online” ihren Abiball im luxurieusen Atlantik-Hotel besuchte, Fotos machte und Interviews führte. Und hinterher war dann doch die eine oder andere enttäuscht, dass sie nicht ganz so gut wegkam in dem Artikel. Tenor: Wer ist die Schönste im Abiland?  Oder auch: 1000 Euro für ein Outfit – darf es noch ein wenig mehr sein?images

Ehrlich gesagt, finde ich die Fotostrecke noch recht harmlos. Es hätte dicker kommen können. Einfach, weil ich vom Spiegel, egal ob Online oder Print, investigative Recherchen und kritische Berichte erwarte. “Seien Sie froh, dass wir nicht über Sie schreiben”, hat mir mal ein Spiegel Online Redakteur gesteckt, als ich noch in einer PR Agentur arbeitete und eine Wirtschaftsgeschichte unterbringen wollte. “Es wäre nicht zu Ihren Gunsten.”

Aber es ist zu bezweifeln, ob die Abiturienten mit dem Mythos vom “Sturmgeschütz der Demokratie” überhaupt noch etwas anfangen können. Schließlich liegt die Spiegelaffäre über 50 Jahre zurück. Und das Magazin, das tapfer an der Elbe geblieben ist, als alles nach Berlin zog, ist längst kein Leitmedium mehr. Das Blatt sei geschwätzig geworden, klagte schon die Tochter des einstigen Herausgebers, Franziska Augstein. Noch zehn Jahre später, ist gar von Revolte und Machtkämpfen zwischen Redaktion, ihren Chefs und Gesellschaftlern zu lesen. Weil nämlich pünktlich zum zwanzigsten Geburtstag von Spiegel Online Schluss sein soll mit den beiden unabhängigen Redaktionen und aus Print und Online “Spiegel 3.0″ werden soll.

Genau vermag ich es nicht zu erklären, aber für mich klingt schon der Titel nach Populismus und nicht nach Leitmedium. Letzteres zu werden ist in Zeiten von Meinungsblasen, Desinformation und “Beiwerk rein kommerzieller Aktivitäten“, aber auch von Vielfalt und vernetzter Recherche eh noch viel schwerer als früher. Aber egal ob Leitmedium oder Leittragender der digitalen Revolution, ich hoffe sehr, dass der Spiegel bleibt. Und zukünftige Abiturienten ihn wieder lesen statt vor ihm zu posen.

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Journalismus. Am: 16 September, 2014 | Artikel kommentieren »

15  Aug
Krise zieht Kreise

Das Erste was der jungen Frau aus Colombo nach Landung in Hamburg-Fuhlsbüttel auffiel, war das Riesenangebot an Druckerzeugnissen, Magazinen und Zeitungen am Kiosk. “In Sri Lanka gab es nur ein zwei regierungstreue Blätter, kaum jemand hat sie gelesen”, sagt sie. Inzwischen liegt ihre Einwanderung nach Deutschland über zehn Jahre zurück, aber noch immer sind die Kioske bunt und überladen. Printkrise? Sicher mehr eine Zeitungskrise als alles andere, wie die Nachrichtenlage dieser Woche bestätigt:

Sa./So: drei Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung machen sich Gedanken über die schwierige Gegenwart und Zukunft ihrer und anderer Tageszeitungen. So lang und tiefgründig, dass ich immer noch nicht alles gelesen habe, wohl aber den Anfang und die Leserbriefe, die übrigens auch stammen von der Generation Ella oder auch “Digital Natives” , die auf jeden Fall mehr und ganz anders liest als ich es mit 19 getan habe. Lohnenswert.wo-zeitung-und-schlauchboot-eine-verbindung-eingehen-geht-natuerlich-auch-mit-ipad-ist-aber-riskanter

Di: Zwei Tage später greift der Handelsblatt-Chefredakteur den Faden auf und will nun regelmäßig Meinungen drucken, um Reaktionen und damit Leser zu binden. „Man kann lange Lamenti anstimmen auf den angeblichen Niedergang der Presse”, schreibt Hans-Jürgen Jakobs. “Viele Verlage verkaufen weniger bedrucktes Papier als vor Jahrzehnten. Die Branche verliert sich im schaurigen Gefühl des Untergangs, dabei war es immer ihr Privileg, kämpfen zu können. Aber stimmt das überhaupt? Lesen die Leute wirklich weniger?” Wobei er mit dem nicht ganz lupenreinen Bezug, ob es stimmt, dass die Leute weniger lesen, nicht die FAZ-Redakteure meinen kann. Die haben das nie behauptet.

Mi: Der ehemalige Chefredakteur vom Stern Klaus Liedtke , jetzt Vorstand des gemeinnützigen Vereins investigate!, erklärt, warum der klassische Qualitätsjournalismus mehr Förderung braucht.

Mi: Das September-Heft Vogue ist mit 230 Anzeigenseiten die umsatzstärkste Ausgabe aller Zeiten, meldet kress. Na bitte, geht doch! Oder ist das Wasser auf die Mühlen der FAZ-Redakteure, die ja in einem Negativszenario befürchtet hatten, dass unkritische Schönwetter-Artikel an Oberhand gewinnen könnten?

Do: Der Noch-“stern”-Chefredakteur Dominik Wichmann darf seinen Hut nehmen, hat der Vorstand entschieden. Das Medienportal meedia nennt als Begründung Sparmaßnahmen, die der Chefredakteur nicht mittragen wollte. Das wäre nichts Neues von Gruner + Jahr.

Fr: Noch drei Tage, um die die Europäische Bürgerinitiative für Medienpluralismus zu unterzeichnen.  Es brennt an allen Ecken und Enden.

geschrieben von Deike, unter Journalismus. Am: 15 August, 2014 | Artikel kommentieren »

indexFrüher gab es ja im Fernsehen noch die nächtliche Sendepause. Und noch früher sogar eine am Nachmittag zwischen 13 und 16.00 Uhr. Da wurde die ganze Woche eine Programmvorschau gesendet. Das Tolle war, die Leute haben das angeschaut. Sie haben auch im Urlaub noch richtig abgeschaltet. Kein Kontakt mit der Firma, allenfalls die obligatorische Postkarte mit nichts weiter drauf als sonnigen Grüßen. Wovon sollte man denn auch berichten? Man lag am Strand, drehte ein paar Runden, las dicke Bücher. Nichts mit Höhlentauchen, Klippenspringen oder Eisklettern. Es ging im Urlaub nicht um den Adrenalinkick, sondern um das Auftanken.

Früher war alles besser? Das bestimmt nicht, auf dieses Gleis begebe ich mich nicht. Es würde mich nur älter machen, als ich ohnehin schon bin. (Wer wissen will, warum das so ist, lese Bücher des niederländischen Gedächtnisforscher Douwe Draaisma) Aber wir können uns sicher darauf einigen, dass es früher anders war und nicht alles nur schlechter. Dass es Sinn machen kann, sich daran zu erinnern und dass es Menschen gibt, denen das Andere im Urlaub, das Aus vom Alltag und “Always On” sicher gut und besser tun würde, als sich der Gefahr von Knochenbrüchen mit ihrer Selbsterschöpfung und  “Unbedingt-etwas-machen-Haltung” auszusetzen.

Dazu kommt dieser Drang, alles in Film und Foto festzuhalten und um die Welt zu jagen. Statt einfach den Moment zu genießen und in sich aufzunehmen. Wie neulich auf der Dachterrasse in meinem Sportstudio. Kurz vor 22.00 Uhr, Sonnenuntergang. Ein Spiel mit Formen und Farben. Unbeschreiblich. Selbst Vincent Van Gogh hätte es nicht besser machen können. Ich habe still und versunken geschaut, ich weiß nicht wie viele Minuten. Ein Smartphone hatte ich zum Glück nicht dabei. Nur einen Bademantel. Das war Urlaub! 

Ich wünsche Ihnen viele erholsame Pausen. Ganz ohne Zeichen!

geschrieben von Deike, unter Allgemeines. Am: 25 Juli, 2014 | Artikel kommentieren »

10-listengebote; Quelle_KarrierebibelEinmal im Monat flattert mir ein Onetoone, Fachmagazin für Dialogmarketing ins Haus. Einmal im Monat schaue ich da auch rein, manchmal kürzer, manchmal länger. (So viel zur Wertigkeit von Print, den Online-Newsletter dazu hätte ich vermutlich längst abbestellt, aber das ist ein anderes Thema). In der Juliausgabe bin ich hängengeblieben: S. 14, “Fünf Tipps für Mobile-publisher”, S. 15, “Sieben Schritte zur RTA-Strategie” (wer nicht weiß, was eine Realtime Advertising-Strategie ist, sei auf Punkt 2. verwiesen: “RTA ist komplex”), S.34f. “Sieben goldene Regeln für ein gelungenes Mobile SEA”. (SEA: Search Engine Advertising, in diesem Magazin sind englischsprachige Abkürzungen übrigens an der Tagesordnung.) Himmel, denke ich, machen die keine Themenkonferenzen? Gibt es keinen Schlussredakteur, der auf die gesunde Mischung achtet?

Ich besuche ein Seminar von Peter Berger und dem Journalistenverband DJV. Thema Pressearbeit 3.0: Cross-Mediales Erzählen. Peter Berger verteilt unter anderem  “10 Tipps für die Erstellung von Content und das Managen eines digitalen Magazins! So wirst du zum digitalen Blattmacher“. Quelle ist Coca-Cola Deutschland. Schon bitter, denke ich, dass gestandene Journalisten und PR-Berater sich von einem Softgetränkproduzenten Tipps geben lassen. Aber Berger geht es um das Beispiel eines Unternehmens, das ganz auf die klassische Homepage verzichtet,  nur noch als Online-Magazin vertreten ist und so besser als Marke im Gedächtnis bleiben will. Der Medienberater gesteht auch, dass ihn die vielen “sieben Gründe, warum Sie das hier unbedingt lesen sollten” nerven. “Aber das funktioniert einfach unheimlich gut”, sagt er. Will heißen, das wird häufig geklickt, geliked und geteilt. Siehe Tipp 2 der Cola Blattmacher: “… die harte Währung sind Clicks and Shares.”

Da allerdings müssen die Coke-Onliner selbst noch eine Menge dazu lernen. Die meisten ihrer Geschichten tragen nämlich die Triple-Null, null mal auf Facebook geteilt, null Tweets, null Linked-in. Und hier meine drei besten Gründe, warum das so ist. Einem Online Magazin im Look & Feel einer braunen Brause fehlt schlicht die

1. Authentizität: Es reicht nicht, sich den Anstrich von Sternmagazin oder Bildzeitung zu geben. Ich will mir doch nicht von einer Kalorienbombe sagen lassen, wie Lebensfreude geht.

2. Unabhängigkeit: Man muss nicht lange googeln, um festzustellen, es gibt viele Vorbehalte gegen den Konzern – etwa in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte. Klar, ich erwarte nicht, dass das auf der Seite des Coca-Cola Journeys steht. Aber der soziale Anstrich “So unterstützt Coca-Cola den Transport von Medikamenten in Afrika” bekommt einen bitteren Beigeschmack. Eine simple Pressemitteilung wäre auch nicht schlechter, nur ehrlicher.

3. Sinnlichkeit: Wenn sich alles dreht, um “7 Gründe, warum der Sommer glücklich macht” oder “fünf Gründe, warum die Jungs den FIFA WM-Pokal verdient haben” (Was nur fünf? Setzen Schweinsteiger),  dann mag das unterhalten, gute Geschichten entstehen dabei dennoch nicht. Von Listen allein fühlt man sich nicht berührt, nur irgendwann ermattet.

 

geschrieben von Deike, unter Marketing, Pressearbeit. Am: 15 Juli, 2014 | Artikel kommentieren »

Nein, es geht mir nicht um die Pakete. Die nehme ich immer ganz freundlich für die Nachbarn an, die fleißig im Internet bestellen, aber nie zu Hause sind, wenn der Postmann klingelt. Dafür bin ich ja da, im Home Office und wundere mich über Tweets wie den von Mia, der Küchenchaotin:

Lieber DHL-Bote,ich weiss nicht,warum du um 10.21Uhr nicht geklingelt hast. ICH WAR HIER UND HAB AUF DICH GEWARTET! Aber danke für die Karte.

Nein, über Pakete, die nicht oder nur beschädigt ankommen, kann ich wirklich nicht klagen. Vielmehr als um die Dienstleistung geht es mir um die Dienstleister, Leute, die hart arbeiten und nicht immer gerecht entlöhnt werden und um Subunternehmer, die noch härter arbeiten und noch weniger gerecht entlöhnt werden. Davon jedenfalls berichten haarsträubend mein Mann – über einen ehemaligen Klienten aus der Bewährungshilfe – und mein Computerdienstleister, der stets und ständig mit allen möglichen Versendern zu tun hat. Vielleicht nur Einzelfälle. Jedenfalls, wenn man dem Anzeigenmagazin “Top Arbeitgeber” glaubt, das mir da mit der Abendblatt Wochenendausgabe auf meinem Wohnzimmertisch geflattert ist. Unter Dienstleistung Top Arbeitgeber Seite 14 steht DHL. Okay es ist eine Anzeige und im kleingedruckten Impressum steht “Für die Inhalte der PR- und Anzeigentexte sind die Unternehmen selbst verantwortlich.” Aber es gibt immerhin auch die Abendblatt Seite Hamburgs beste Arbeitgeber, da kann man schon mal durcheinander kommen. Und dann die vielen Siegel, mit denen sich DHL als ausgezeichneter Arbeitgeber auf Seite 15 rühmt: “Absolventa-Siegel” (nie gehört), “Fair Company” und “Top Arbeitgeber 2014″!

imagesWir leben im Zeitalter der Zertifizierung, die manchmal zum Wahn wird, wie der Züricher Pfarrer Thomas Binotto schreibt:

Wirkliche Überlebenschancen hat im Zertifizierungsdschungel nur derjenige, der sich eine schlagkräftige Vor- und eine Nachhut leisten kann – Qualitätsmanagement nennt sich das. Nachdem wir uns im 20. Jahrhundert von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelt haben, werden wir im 21. Jahrhundert von der Dienstleistungs- zur Qualitätskontrollgesellschaft mutieren. Bis wir am Ende überhaupt gar nichts mehr produzieren – ausser Zertifikaten.

Wie leben auch im Zeitalter der Hochglanzbroschüren. Die Zeitungskrise hat nämlich auch einen Gegenspieler. Den Boom des Corporate Publishing. “Von wegen Printkrise”, sagt meine Freundin, die in einer PR Agentur arbeitet. “Es  wird gedruckt, was das Zeug hält.” Story Telling, Paid, Owned, Earned Media, Deepening (Vertiefung von Kampagnenaussagen durch Storytelling), Broadening (Transfer der Botschaften in die Breite) und was das Marketing da noch so an Kauderwelsch bereithält. Egal. Mich beschäftigen da nur zwei Fragen: Wer steigt da überhaupt noch durch? Und wer soll das ganze Zeugs lesen?

 

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Marketing. Am: 8 Juli, 2014 | Artikel kommentieren »

Kürzlich las ich in einem Welt-Beitrag über die “Die gefährliche Entwertung des deutschen Abiturs” und wunderte mich. Über einen 18jährigen, der sich über die Deutschprüfung in der zehnten Klasse aufregte. Dafür hatte er nämlich intensiv gelernt, extra einen Nachhilfelehrer engagiert und das Buch “Die Entdeckung der Currywurst” so genau gelesen, dass er es fast auswenig kannte. Am Ende kamen aber nur Fragen, die jeder mit ein wenig Menschenverstand beantworten konnte.

Viele der Antworten ergaben sich aus den Fragen oder den vorliegenden Texten. Man musste sie nur genau genug analysieren.images

Ja, und? Was ist so schlecht daran? Und wieso spricht einer mit 18 überhaupt noch über die 10. Klasse? Mich stimmt es zumindest hoffnungsfroh, dass einer im 21. Jahrhundert mit Auswendiglernen nicht weiter kommt. Wer stets nur die Antworten sucht, die der Lehrer bereits im Kopf hat, ist nicht dazu angetan, Ausnahmeleistungen, Innovationen und Lösungen für morgen zu liefern. Zumal lineare Logik zirkuläre Verursacherketten in der modernen vernetzten Welt nicht erfassen kann. Übrigens bin ich, was moderne Problemlösungskompetenzen betrifft, gar nicht so pessimistisch.

Ein Beispiel: Weil sich  Klasse und Lehrerin nicht einig waren, ob mein FAZ-Beitrag, nun eine Reportage oder ein Bericht sei, rief  ein schleswig-holsteinischer Abiturient kurzerhand mich, die Autorin an. Und bekam Recht: es handelt sich um einen Bericht. Ich frage mich allerdings, ob die Unterscheidung wirklich abiturrelevant ist. Thema lautete übrigens: Noten in Nöten!

Mag ja sogar sein, dass heute häufiger Einsen vergeben werden als noch vor 30 Jahren. Da machte ich Abitur und der beste Schnitt an meiner Schule lag bei 2,0 Punkten. Was die Leute übrigens nicht gehindert hat, etwas aus ihrem Leben zu machen: Beim Klassentreffen geben sich promovierte Chemiker und Ärzte, eine Vorzeigeunternehmerin und eine Professorin die Hand. Wobei der schlechte Notenspiegel sicher nicht nur an den vermeintlich strengeren Lehrern und Maßstäben lag. Jedenfalls kann ich mit den Themen meiner16jährige Tochter in der 11. Klasse nicht ganz mithalten.

In Deutsch hat sie gerade Ödipus von Sophokles gelesen, ein immer 2439 Jahre altes Werk. Nun ist der “Verschollene” dran oder wie sich Kafka Amerika vorstellte. In Physik geht es um Schwingungen und Astrophysik, in Mathe um Vektoren und Matrizen, Determinanten und Eigenwerte. Noch Fragen? Ja, schon, auch wie man allen Wandertagen, Konferenzen oder Berufsorientierungsaktionen zum Trotz so weit kommen kann. Letztere finden nun diese Woche statt. Meine Tochter darf zwischen Design, Logopädie und Jura wählen. Und ich denke, dass wir zu viel von der Schule erwarten: Sie soll bildungsferne Schichten zur Bildung bringen, Top-Talente zum Außergewöhnlichen, Seelsorge, Psychotherapie und Berufsorientierung in einem bieten. Am Ende bleibt nichts als Durchschnitt.

 

 

geschrieben von Deike, unter Allgemeines, Bildung. Am: 23 Juni, 2014 | Artikel kommentieren »

 

Geht Ihnen das auch so? Kaum hat man den Heftig&Co.-Stil einigermaßen begriffen, geht er gewaltig auf den Geist. Wie alle Dinge, die zu übertrieben, zu aufgesetzt und zu häufig kopiert werden. Egal, ob Pressemitteilung, Werbetext oder als journalistischer Beitrag verkaufter Anzeigentext.

Manchmal bitten mich Bekannte, Netzwerkfreunde oder Kunden um eine Stellungnahme zu ihren Texten. Dauert ja nicht lange und sollte daher möglichst auch nichts kosten. Nicht immer lasse ich mich darauf ein. Schließlich gilt für Architekten, IT-Berater und Personal Trainer, was nix kostet, kann nix wert sein und die Rechtsberatung vom Schwager gibt es schon gar nicht kostenfrei. Sowieso bedankt sich am Ende keiner, wenn schnell klar wird, dass den Text nur eine völlige Neubearbeitung retten kann.Fluch-mit-Floskeln

Völlig kostenlos und exklusiv für Sie anbei die fünf häufigsten Textschwächen, die Sie unbedingt meiden sollten:

    1. Heiligenkult: Der Protagonist der Meldung erscheint groß, glänzend, geradezu göttlich. Sorry, das ist absolut unglaubwürdig und zudem langweilig. Zur Anbetung betreten wir doch lieber den Kölner Dom. Und selbst da gilt: “Zu viel Weihrauch schwärzt den Heiligen.”
    2. Fluch der Floskeln: Manchmal frage ich mich, ob das Zwei-Augen-Prinzip oder die Zwei-Gehirne-denken-weiter-Gleichung nicht mehr gelten. Oder warum sonst hinterfragt niemand die Abhäufung ausgetretener Adjektive (“erfolgsorientiert, kreativ und innovativ”) oder Floskeln wie “aktive Mithilfe” . Was soll denn passive Mithilfe sein oder gar bringen? Besser liefern Sie Fakten, aufgrund derer der Leser seine eigene Schlussfolgerung zieht: Mensch, das ist ja mal ein innovativer Unternehmer!
    3. Zahlenwahn: Apropos Zahlen, übertreiben Sie es lieber nicht und liefern wirklich nur neue und vor allem Ihre eigenen Zahlen. Also nicht: “57% der Deutschen fühlen sich gestresst…”  Wenn das wirklich für Ihren Text wichtig sein sollte, dann bitte schön mit einer vernünftigen Quellenangabe.
    4. Narrativ als Norm: Ja, schon gute Geschichten gehen immer, aber wenn wir alle nur noch erzählen, schreiben und verbreiten, wer soll all das Zeugs denn konsumieren?
    5. Trittbrett: Aufmerksamkeit erheischen Sie bestimmt nicht, wenn Sie der Hunderste sind, der den Heftig-&Co-Stil oder was sonst noch gerade angesagt ist, kopiert. Übrigens müssen wir bei der Kopientiefe gar nicht so weit gehen: “Wenn zwei Menschen immer wieder die gleichen Ansichten haben, ist einer von ihnen überflüssig”, soll schon Churchill gesagt haben. Trendbewusstheit und nicht -blindheit bewahrt Sie übrigens auch vor albernen Rankings (“die zehn schönsten Strände, die sechs kürzesten Lügen…) wie diesen hier. Oder ist das jetzt schon Tipp sechs?

 

geschrieben von Deike, unter Marketing, Pressearbeit. Am: 2 Juni, 2014 | Artikel kommentieren »

“Krautreporter” wollen ein neues Projekt starten, ambitionierter Journalismus, 900.000 Euro teuer, finanziert über Crowdfunding. Aber ehe sie überhaupt begonnen haben, bricht der Sturm der Besserwisser schon los: zu teuer, zu wenig Inhalt, zu wenig Frauen, schlechte Bezahltechnik. Die Ankündigung des Projektes ist noch nicht mal 48 Stunden alt, da bittet der Blogger Christian Jakubetz die Kritiker, doch bitteschön einfach mal die Klappe zu halten. Okay, er schreibt “Mund”, aber in Versalien und das ist mindestens wie Klappe. Nur die Bitte wird nicht erhört. Die Kritiker der Kritiker werden kritisiert. Mit noch frommeren Wünschen:

“Generell wünsche ich mir in unserem Land einfach viel mehr Gelassenheit – aber vor allen Dingen wünsche ich mir viel mehr “genaues Zuhören” und mehr “Mal ‘ne Nacht drüber schlafen, bevor man etwas ins Internet zwitschert/schrei(b)t” schreibt ein Kommentator.

Ich glaube, da liegt der Schlüssel. Wir teilen, twittern und toasten zu flink, sprechen zu schnell einen Toast auf das auf, was Freunde, Follower oder Fakes machen. NetzwerkzwergEin Beispiel: Eine Internetseite veröffentlicht heftige Geschichten, die ans Herz gehen, anrühren, begeistern – und gerne geteilt werden. Nur die Texte sind alle geklaut, veraltet, übersetzt und werden lediglich als neu verkauft, wie die Rheinzeitung schreibt. Heftig! Ein anderes Beispiel: Günter Wallraff deckt unhygienische und unmenschliche Zustände bei Burger King auf. Worauf der Spiegel zu wissen glaubt, dass er ein PR-Mann von McDonald’s sei. Dabei liegt die Beratung und ein Vortrag vor Gewerkschaftsvertretern schon vier Jahre zurück und das Geld ging an eine Stiftung, wie die FAZ wiederum ermittelte.

All das nur, weil überhitzte Geschichten stärker wahrgenommen werden und weil wir zu den ersten zählen wollen, die Conchita auf der Wurst verbreiten.

Am Wochenende war ich auf ein Prezi-Schulung, ein internetbasiertes Präsentationsprogramm. Der Tipp, der mich am meisten überzeugt hat:

„Vermeiden Sie es, alle Möglichkeiten in einer Präsentation unterzubringen.

Jawohl. Wir haben alle Möglichkeiten dieser schönen digitalen Welt. Bevor wir diese nutzen, sollten wir allerdings immer überlegen, wozu.

geschrieben von Deike, unter Journalismus. Am: 19 Mai, 2014 | Artikel kommentieren »

Ob da wohl Sekt geflossen ist am Axel-Springer-Platz, nachdem nun endlich das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben hat? den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Journalismus. Am: 30 April, 2014 | Artikel kommentieren »

“Ich arbeite für die FAZ “,  oder auch – noch seriöser geht es nicht – “Frankfurter Allgemeine Zeitung”,  ist ein echter Türöffner. Die Zeitung mag noch so abgemagert sein, die Auflage gesunken, ihr Prestige zieht noch immer. Jedenfalls solange man einigermaßen freundliche Fragen stellt. Einen Kommunikationskiller gibt es aber auch hier und er betrifft das liebe Geld. “Was kostet das?”, Fragewort, Prädikat, Subjekt, die simpelste aller Fragen, sie führt zu Verwirrung, Verständnislosigkeit, Verzögerungstaktiken. den ganzen Artikel lesen »

geschrieben von Deike, unter Journalismus. Am: 11 April, 2014 | Artikel kommentieren »

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