Was ist Dein Beruf, fragt das Patenkind die Tante, die in einer PR-Agentur arbeitet. “Ich verkaufe heiße Luft in Dosen. Wer sie öffnet, kriegt ganz schnell rote Ohren - von den vielen packenden Geschichten, die aus den Dosen kommen”. So kann man es natürlich auch erklären. Eine populäre Sichtweise ist das allerdings nicht, die ist nämlich häufig weit negativer: “The Reality of PR: Smile, Dial, Name Drop, Pray”, behauptet etwa Blogger Michael Arrington in TechCrunch, ein Blog, das sich hauptsächlich mit technologischen Neugründungen im Web 2.0 Sektor befasst. In diesem “innovativen, progressiven, ja revolutionären” Sektor sei es immer noch so: Die Mitteilungen strotzen nur so vor Eigenlob und Werbung, auch wenn sie sich jetzt an Hunderte von selbsternannten Schreibern, Blogger und Twitterer, richten anstatt die wichtigsten sechs Fachjournalisten oder Top Reporter zu überzeugen, wie ein Artikel in der New York Times analysierte. Ja, hat denn die PR Branche ihre eigentliche Bestimmung vergessen? Gerade ein Jahrzehnt ist es her, dass ich auf einem DIPR-Seminar lernte, Public Relations gehören keineswegs in die Zuständigkeit der Konsumwerbung und ziele daher nicht auf die einseitige Übermittlung zweckbestimmter Informationsinhalte, sondern strebe den Interessenausgleich zwischen dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern und dem Umfeld an, indem die Unternehmensaufgaben verständlich und glaubwürdig im Dialog mit den Öffentlichkeiten interpretiert und modifiziert werden. Uff - so viel zum PR-ABC aus dem letzten Jahrtausend. Dann kam die Dot.com-Welle, ihr Abgang und nun Social Media. Sie bietet reichlich Prärie für die Publicity-Cowboys und ihre kurzsichtige Handlungsdevise “Abgrasen und weiterziehen.” Und zwar mit immer denselben Vokabeln, die TechCruncher Robin Wauters nie wieder in einer Pressemitteilung zu lesen wünscht: Darunter die Werbeadjektive führend, bester, innovativ und revolutionär sowie die überstrapazierten Worthülsen “Next Generation”, “strategische Partnerschaft” oder “Synergien”. Im Grunde jede Art von Schwabbel-Informationen, kunstvoll gebaute Schachtelsätze und die Anhäufung origineller Wortgebilde. Davor warnten schon meine DIPR-Unterlagen aus dem letzten Jahrtausend.
PS. Danke Reik, für den tollen TechCrunch Link, der diesen Eintrag ausgelöst hat!
